Wenn Geschichte lebendig wird: Zeitzeugin Marion Fischer zum zweiten Mal zu Gast
„Ich erzähle euch davon, weil ich möchte, dass so etwas nie wieder passiert.“ Mit diesen eindringlichen Worten besuchte die Holocaust-Überlebende Marion Fischer kürzlich bereits zum zweiten Mal die MS Kundl, um den Schülerinnen und Schülern der Klassen 4abc aus ihrem bewegten Leben zu berichten.
Nachdem Frau Fischer bereits im letzten Schuljahr bei uns zu Gast war, war das Interesse auch dieses Mal groß. Die Jugendlichen nutzten die seltene Gelegenheit, Geschichte aus erster Hand zu erfahren, mit großer Aufmerksamkeit und zahlreichen Fragen.
Eine Kindheit auf der Flucht
Marion Fischer wurde am 8. Mai 1937 in Wiener Neustadt geboren. Schon 1938 änderte sich ihr Leben radikal, als ihre Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten versuchte, per Schiff nach Palästina zu fliehen. Da die Einreise verweigert wurde, begann eine jahrelange Odyssee durch Europa, die Marion Fischer unter anderem in ein italienisches Internierungslager führte.
Nur knapp entging die Familie der Vernichtung: Im Jänner 1944 wurden die jüdischen Bewohner ihres Aufenthaltsortes nach Auschwitz deportiert. Dass Marion Fischer heute vor unseren Schülern stehen kann, verdankt sie mutigen Helfern, die der hochschwangeren Mutter und der restlichen Familie die Flucht über die winterlichen Berge in die Schweiz ermöglichten.
Ein Appell an die Jugend
Trotz der schweren Verluste innerhalb ihrer Familie – Marion Fischer verlor den Großteil ihrer Verwandten im Holocaust – blickt sie heute nicht mit Bitterkeit, sondern mit Hoffnung auf die junge Generation. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich tief beeindruckt von ihrer Lebensfreude und wurden durch das Zuhören selbst ein Stück weit zu „Zweitzeugen“, die den Auftrag mitnehmen, die Erinnerung wachzuhalten.
Dank und Unterstützung
Ein herzlicher Dank gilt Irmgard Bibermann für die Organisation und pädagogische Begleitung dieses wertvollen Vormittags. Der Besuch fand im Rahmen des Zeitzeug:innen-Programms von erinnern.at (einer Initiative des OeAD) statt, das einen unverzichtbaren Beitrag zur historisch-politischen Bildung an unseren Schulen leistet.
Wir danken Marion Fischer für ihre Offenheit und den Mut, ihre Geschichte mit uns zu teilen.